Verrücktes Derby im Ruhrpott

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Der Schalker Naldo (2.v.l) erzielte zwei Treffer im Revierderby beim BVB. Foto: Ina Fassbender

Herne West gegen Lüdenscheid-Nord. Die Mutter aller Derbys. Dortmund gegen Schalke. Mehr hat der Fußball in Sachen Rivalität nicht zu bieten. Der Pott bebt und die Vorzeichen konnten vor dem Derby verschiedener nicht sein. Während Dortmund im Derby den Turnaround herbeisehnte wollten die Königsblauen die aktuelle Vorherrschaft im Ruhrpott bestätigen. Peter Bosz mit Ausnahme des Sieges in der zweiten der Runde des DFB-Pokals bei Magdeburg, mit dem Rücken zur Wand. Auf der anderen Seite Domenico Tedesco, trotz seiner kurzen Amtszeit bereits jetzt gefeierter Vertreter aus der Generation Laptoptrainer.

 

Tausche Derbysieg gegen Meisterschaft. Um die Bedeutung dieses Spiels zu untermauern bedarf es nicht mehr als vier Wörter. Beide Trainer sind sich einig, dass dieses Spiel nicht über die Taktik sondern über die Mentalität entschieden wird. Über Mentalität und Moral. Über Kampf und Leidenschaft. Wie es im Derby sein soll. In einem Derby über welches man in Jahren noch reden wird.

 

Traumstart Dortmund

 

Die Mannen von Peter Bosz schafften es in den ersten 45 Minuten die Misere der vergangenen zwei Monate vergessen zu machen. Mit Ausnahme der ersten Chance im Spiel von Konoplyanka ging es nur in eine Richtung. Auf das Gehäuse der Schalker. Der BVB kam trotz spielerischer Überlegenheit über den Kampf ins Spiel. Aubameyang erzwingt im wahrsten Sinne des Wortes den Führungstreffer. Der Königsblaue Stambouli hilft den Borussen nach und trifft zum 2:0 in das eigene Tor. Die Schwarz-Gelben spielen danach befreit auf und erhöhen durch Götze und Guerreiro noch vor der Pause auf 4:0. Die Schützlinge von Domenico Tedesco können dennoch von Glück sprechen als der Schiedsrichter Deniz Aytekin wohl auch aus Mitleid Gnade vor Recht walten ließ. Thilo Kehrer hätte nach einem Brutalo Einstieg noch vor der Pause mit Gelb-Rot vom Platz fliegen müssen. Um dies zu untermauern wurde auch der vierte Offizielle bei Domenico Tedesco vorstellig. Glück im Unglück für die Königsblauen.

 

Kampfsau und Mentalitätsmonster

 

Zu Beginn der zweiten Halbzeit änderte sich alles. Dortmund stellte das Fußball spielen ein und Schalke war von Beginn an am Drücker. Einzig Aubameyang fand nach einem Patzer von Schalke Goalie Fährmann die Chance auf das 5:0 vor. Angeführt von der Kärntner Kampfsau Guido Burgstaller, den Ukrainer Yevhen Konoplyanka und den früh eingewechselten Amine Harit und Leon Goretzka erlebte man eine Auferstehung wie sie sonst nur am Ostersonntag zelebriert wird. Erst trifft Naldo nach einem Freistoß aus Abseitsposition was zu Recht aberkannt wurde. Guido Burgstaller, ackerte und rackerte wie gewohnt über die gesamte Spielzeit, erzielte sehenswert per Kopf den Anschlusstreffer. Mit Übersicht köpfte der Vertreter aus der Dynastie Kampfschwein den Ball über Weidenfeller in die Maschen. Nur vier Minuten später trifft der Youngster Amine Harit nach Vorlage von Yevhen Konoplyanka zum 4:2. Nur kurze Zeit später wird Aubameyang vom Helden zum Buhmann. Nach einem unnötigen Einstieg gegen Harit fliegt der Gabuner zu recht mit Gelb-Rot vom Platz. Das ohnehin schwere Standing vom Extrovertierten Goalgetter wird wohl auch in den nächsten Tagen nicht besser.

 

Ein gefühlter Sieg für Schalke

 

In der 86. Minute schien das Unmögliche bereits zum Greifen nahe. Daniel Caligiuri triff nach Vorlage von Stambouli zum 4:3. Die Schalker drückten auf die Sensation, die Dortmunder sehnten den Schlusspfiff herbei. Als in der 90. Minute die Nachspielzeit von sieben Minuten angezeigt wurde trauten viele Borussen ihren Augen nicht. Schlimmer kam es nur noch als Naldo nach Freistoß von Konoplyanka zum 4:4 einnetzte. Überschwänglicher Jubel auf der einen Seite, ungläubige Blicke auf der anderen Seite. Der Glaube kann bekanntlich Berge versetzen doch den hatte nicht mal Trainer Tedesco nach dem 4:0 Rückstand. Ungläubig wandte er sich noch vor der Pause an den vierten Offiziellen mit der Frage ob man das Spiel nicht auf siebzig Minuten verkürzen könne. Was danach passierte ist bereits jetzt ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Revierderbys.

 

 

Ausgezeichnete 45 Minuten der Gastgeber wurden vom inferioren Auftritt in der zweiten Halbzeit überschattet. Obwohl der Niederländer Peter Bosz vorerst Coach der Borussen bleiben wird wurde die Diskussion um seine Person weiter genährt. Wie lange der Niederländer noch auf der Trainerbank der Borussia Platz nimmt steht in den Sternen. Individuelle Fehler und teilweise kollektives Versagen in der Verteidigung könnten ihm zum Verhängnis werden.

 

Allen Zusehern dieses Spiels, egal ob Schalker, Borusse oder neutralen Zusehern wurde eines eindrucksvoll vor Augen geführt. In diesen verrückten neunzig Minuten ist alles möglich. Der Glaube, der Wille und unbändiger Einsatz sind Tugenden die auch im modernen Fußball Unmögliches möglich machen. Fußball ist immer noch das einfache Spiel mit dem Ball, das uns alle in Ekstase versetzt und Träume Wirklichkeit werden lässt. Das Leben dauert nur neunzig Minuten. Außer es geht in die Verlängerung.

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